Ürtekorporation Stansstad
 

Geschichte

Die Wälder der Korporation
Auf den Wäldern von Obbürgen lastete bis 1970 ein Servitut. Dieses ermöglichte es 28 Liegenschaften Holz zu beziehen für den Bau und Unterhalt von Gebäuden. Für Sag- und Bauholz musste der Arbeitslohn bezahlt werden sowie ein so genanntes Luoder von Fr. 7.00 pro Kubikmeter, für das Brennholz der Arbeitslohn sowie ein Luoder von Fr. 2.00 pro Klafter. Das Luoder war für den Unterhalt und die Verwaltung des Waldes bestimmt. Am 23. Februar 1967 wurde der Obbürger Wald durch einen Orkan teilweise zerstört. 4000 Kubikmeter Holz lagen am Boden. Die Ürte forstete den Wald mit 20’000 Jungbäumen auf und erschloss die Wälder mit Forststrassen. Der Lopperwald gehörte ursprünglich dem Staat. Damit dieser jedoch seine Schulden aus dem Sonderbundskrieg begleichen konnte, verkaufte er die Waldungen für 3000 Gulden (Fr. 5400.00) an die Ürte. Mit einer vielfältigen Baum- und Pflanzenwelt scheint der Lopperwald eher im Süden der Schweiz zu liegen - mit einer entsprechend grossen Waldbrandgefahr. Nach dem letzten grossen Waldbrand vom 29. März 1953 mussten 600 Kubikmeter Holz gefällt werden. Zur besseren Durchforstung wurde der Lopperwald 1985 durch Waldstrassen erschlossen. Noch heute sind die Lopperwaldungen mit einem so genannten Geissrecht belastet. Die Besitzer der Acheregg haben das Recht, 30 Ziegen in den Wald zu treiben. Auf Grund des neuen Forstgesetzes sollte dieser Waldtrieb verboten werden. Schliesslich sprach das Gericht dem Besitzer der Acheregg eine jährliche Rente von Fr. 300.00 zu, so lange ein Ürtner deren Besitzer ist.                                                                                              

Das Ried wurde aufgeteilt
Das Stansstader Ried wurde früher unter den Bürgern durch das Los aufgeteilt. Jeder erhielt ein Stück für seine Nutzung. Meist wurden Getreide und Gemüse angebaut oder Streu gewonnen. Zudem durfte jeder Bürger im Wald zwei bis drei Tage Holz für seinen Haushalt sammeln. Da aber der Ertrag der verschiedenen Lose nicht gleich war, kam es zu Unzufriedenheiten. Aus diesem Grund wurde beschlossen, die Streuflächen sowie das Holz zu versteigern und den Erlös gleichmässig zu verteilen.
Im Krisenjahr 1847 wurde zwischen der Ürte und Kaspar Blättler ein Vertrag unterzeichnet. Blättler erhielt 6000 Klafter (21’000 Quadratmeter) Riedland zur freien Verfügung. Er verpflichtete sich jedoch, das Ried in gutes Wiesland zu verbessern und es jährlich mit fünf Rappen pro Klafter zu verzinsen. Davon gingen drei Rappen an die Schulen von Stansstad, Obbürgen und Kehrsiten, zwei Rappen als Grundzins an die Ürte. Nach Ablauf der Vertragsdauer wurde die Ürte verpflichtet, die Hälfte des jährlichen Reinertrages an die Schule abzuliefern. Dies sicherte die Besoldung des Lehrers. So wurde das so genannte «Schulried» geboren und verbrieft.

1936 trat die Ürte 15 Hektaren Streuland für 30 bis 40 Rappen pro Quadratmeter an den Kanton ab. Bedingungen waren, dass der Kanton die Fischrechte in den Rohren (zwischen Acheregg und Rotzbach ) ablöste und dass der Seerosenweg, der 1932 dem Verkehrsverein Stansstad kostenlos zur Verfügung gestellt wurde, nicht vom Seeufer wegverlegt werden darf. Der Erlös wurde in den Kriegsjahren 1939 bis 1945 in die Melioration des Riedes Stans-Stansstad investiert.

Der Bau der Autobahn
1961 wurden der Bau der Autobahn sowie der Luzern-Stans-Engelberbahn (heute Zentralbahn) aktuell. Die Ürtekorporation Stansstad musste 22’000 Quadratmeter Land verkaufen. Mit dem Erlös erstand sie die Liegenschaft «Stollen» in Malters. Diese wurde in der Folge saniert und erhielt eine neue Scheune. Seither sind zwei landwirtschaftliche Liegenschaften, die «Allmend» in Obbürgen und der «Stollen» in Malters, im Besitz der Ürtekorporation Stansstad.

Den Grossteil ihrer Besitzungen in Stansstad hat die Ürte im Verlauf der Jahrzehnte als Bauland veräussert. Die Ürtekorporation überbaute selber das Seehofgebiet und besitzt heute 120 Mietwohnungen am Vierwaldstättersee. Weitere Teile sind als Baugebiete reserviert, um eine weitere Entwicklung der Gemeinde sicherzustellen. Die Entwicklung von Stansstad sowie der Zuzug von Fabrikations- und Gewerbebetrieben sind also zu einem grossen Teil der Korporation zu verdanken.
Bis 1850 waren die Ürtner auch für das Wohl und die Verwaltung der Gemeinde zuständig. 1502 stellten sie das für den Bau einer Kapelle benötigte Land auf dem heutigen Dorfplatz gratis zur Verfügung. Der Unterhalt der Kirche wurde aus dem Holzertrag des Kilchliwaldes bestritten, welcher der Ürte gehört. Auf Grund der Bundesverfassung von 1848 übernahmen Mitte des vorletzten Jahrhunderts Bezirksgemeinden die Aufgabe der Ürte. Diese befasste sich fortan nur noch mit der Verwaltung und Bewirtschaftung ihrer Güter und Waldungen.